Kannst Du mal die Leber halten

Gehirnertüchtigung am Hochreck der Tiernutzung

Kinderquark war einmal „so wertvoll wie ein kleines Steak“. Heute scheint die Lehre von der Gleichheit aller Lebewesen auf dem Vormarsch. Ist das übersteigerte Tierliebe, mangelnde Sachlichkeit im Umgang mit Tieren oder gar menschlicher Selbsthass?

Jagd ist die Voraussetzung für den Genuss von Fleisch. Pflanzliche Ernährung setzt aber auch die massive ackerbauliche Inbesitznahme und Umgestaltung des Lebensraums der Wildtiere voraus.

Natürlich ist die Tötung von Tieren auch mit Naturschutz, Verantwortung für die Landwirtschaft, Wildschadensverhütung, Seuchenschutz und Biotoppflege zu begründen. Eine gute Jagd macht Spaß und das Fleisch macht einen hungrigen Magen wohlig satt. Geht es also nicht einfach ums Erbeuten und die Befriedigung des Hungers, darum, durch Zerstörung neuem Leben Raum zu geben? Ist das nicht der Pol um den sich alles Leben dreht?

Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt und Autor Dr. Florian Asche gehe ich auf die konzentrierte Pirsch durch das weite Revier von Werden und Vergehen, Leben und Sterben und finden im Tod den Schlüssel zu einer immerwährenden Erneuerung.

Kannst Du mal die Leber halten

Teilnehmer

Dr. Florian Asche
Dr. Florian Asche
Jochen Schumacher
Jochen Schumacher

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4 Kommentare
  1. Stefan
    Stefan sagte:

    Ein Genuss. Habe bereits seinen Vortrag in Werl gehört. Jetzt muss sein Buch noch her. Generell muss ich als Junghörer feststellen, dass in jeder Sendung, die ich bisher geschafft habe zu hören (fahre viel Auto , dann geht das), Wissenswertes vermittelt wird. Müsste noch bekannter werden, aber ich arbeite mit dran :)

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  2. Gerhard Eisinger
    Gerhard Eisinger sagte:

    Ein Highlight jagd das andere, Florian Asche ist nicht nur ein hervorragender Buchautor, sondern auch ein genialer Gesprächspartner. Danke Jochen, bitte weiter so….

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  3. A. M. Reichel
    A. M. Reichel sagte:

    Ein wirklicher Hörgenuss. Zunächst schon allein sprachlich: mit einer angenehm sonoren Stimme besticht Dr. Asche als Gesprächspartner durch den Wechsel von vehement und leidenschaftlich vorgetragenen, sicher auch polarisierenden Thesen und gesetzt-jovialen, sehr liebenswürdigen Floskeln (“Das lässt sich hören, was Sie da sagen!” oder “Das ist etwas, das mich doch nachhaltig verstimmt.”). Ich fühlte mich, neben der Anregung durch die vielen Grundsatzfragen menschlicher Existenz, bestens unterhalten.
    Interessanterweise konnte ich feststellen, dass bei einer Suchmaschinenanfrage direkt der zweite Eintrag über Dr. Asche derjenige der “Initiative zur Abschaffung der Jagd” ist – liest man mal rein, versteht man, wie es dazu kommen konnte. Mit dem Risiko, hier zitiert oder gar instrumentalisiert zu werden, wird er aber wohl auch bewusst gerechnet haben.

    Mir hat in dieser Episode die Diskussion um die Frage nach der Sonderstellung des Menschen innerhalb der Schöpfung besonders gefallen – Dr. Asche führt aus, dass der Mensch durch die ihm eigene Bewusstheit der eigenen Sterblichkeit eine vorrangige Stellung unter allen Geschöpfen einnähme, dadurch aber auch einer hohen Belastung ausgesetzt sei.
    Mir fiel dazu folgender religiöser Bezug ein: als der Mensch noch im Paradies, also der sog. “Gottesunmittelbarkeit” lebte (in der die Tiere sich womöglich nach wie vor noch befinden), verstößt er bewusst gegen das Verbot Gottes, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Durch das Anrühren dieses Baumes wird der Mensch Gott ähnlicher, denn er gewinnt die dem König zukommende Weisheit der Erkenntnis von Gut und Böse. Verführt wird er von der Schlange, oft wird auch von einer luziferischen Figur in Gestalt der Schlange gesprochen, wobei “Luzifer”, mit “Lichtbringer” übersetzbar, ja genau hier hin passt: das Licht der Erkenntnis verführt uns zur Entfernung von diesem träumersich-paradiesischen Zustand des In-Gott-seins. Entwicklungspsychologisch ließe sich unsere Vertreibung aus dem Paradies also mit einer Art Erwachsen-werden vergleichen: wir genießen größere Freiheiten, gewinnen die eigene Mündigkeit – doch verlieren wir die Nähe zu Gott und geraten in Spannungen untereinander und zu den Tieren. Es liegt in unserer alleinigen Verantwortung, wie wir mit diesen unvermeidlichen Spannungen umgehen. Ich schließe mich aber Herrn Gr. Asche an: eine Negation dieser Spannungen durch die Illusion, den Tod vermeiden oder besiegen zu können, würde bedeuten, unserer Verantwortung entkommen zu wollen. Der Sündenfall ist, im übertragenen Sinne, ohnehin schon geschehen – jetzt kommt es jedem von uns zu, sich den Konsequenzen zu stellen.

    Und zum Thema Religion und Tiere töten fiel mir ebenfalls noch etwas ein: in der jüdischen Religionskultur, in der die Schächtung, also der Kehlschnitt eines Tieres zum Zwecke der Tötung, die vorgegebene Methode zur (Opfer-)fleischgewinnung ist, spielt in allen bekannten Schriften die Psychologie des schochets, also des Schächters, eine tragende Rolle. An den schochet werden dieselben ethischen Anforderungen gestellt wie an den Rabbiner. Mitgefühl und Liebe zu dem Tier, dem er in engstem Körperkontakt das Leben nimmt, ohne Angst oder Verachtung zu empfinden und sie womöglich dem Tier zu übermitteln, sind die Grundvorraussetzung dafür, dieses Amt überhaupt ausüben zu dürfen. Hinzu kommt eine große handwerkliche Fähigkeit, die den schnellen, qualfreien Tod und eine hohe Fleischqualität ermöglicht. Schächtet ein schochet unqualifiziert, lastet die volle Verantwortung für das Töten des Tieres auf seinem Gewissen. Also zusammengefasst: überlegt euch gut, ihr Jäger, was genau alles auf euren Schultern lastet und in euren Seelen lebt, wenn ihr tut, was getan werden muss.

    Danke für diese inspirierende und nachdenklich stimmende Episode.

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  4. Lars
    Lars sagte:

    Herr Dr. Asche führt zum Ende der Sendung wunderbar aus, was ich auch in meinem Kommentar zum JF041 sagen will – nur wesentlich schöner. Und ich möchte ergänzen dass es einen neuen Jagdverband (i. S. einer politischen Erneuerung von innen heraus) braucht. Denn mit dem aktuellen Personal wird dem DJV der Austausch oder gar der Konsens mit anderen Interressensgruppen nicht gelingen. Denn die führenden Köpfe stolpern – ebenso wie ein großer Teil der Mitglieder – über die eigene Überheblichkeit und die Uneinigkeit die überall herrscht. Auch wenn man es schafft viele junge Menschen an die Jagd heranzuführen, so unterscheiden sich doch die Geister. Während die gesamte Generation der nach 1980 geborenen mehrheitlich linksliberal denkt und die Jagd oft aus einer Verantwortung der Natur gegenüber ausübt, wird die Jägerschaft politisch von konservativen Strömungen beherrscht und in der Öffentlichkeit auch stets so wahrgenommen.

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