JF033 Jagd in der Öffentlichkeit

Das Waidwerk und sein Wertesystem in Wechselwirkung mit kleinen und großen Menschen, Presse und Öffentlichkeit.

JF033 Jagd in der Öffentlichkeit

Die Jagd dürfte wohl die einzige Tätigkeit sein, bei der Bürger Schusswaffen aktiv und mit Tötungsabsicht einsetzen. Das erfordert Wissen, Gelassenheit, Feingefühl, Übersicht und garantiert dennoch "besondere" öffentliche Aufmerksamkeit.
Bei der Jagd geht der Mensch willentlich und bewusst in die Verantwortung. Schon deshalb ist der Fehler und seine Folgen immer ein mögliches Ergebnis. Der Fehler, der im Idealfall möglichst dramatische Folgen hat ist dann eine perfekte Steilvorlage für eine Berichterstattung, deren erste Pflicht es ist möglichst viele Menschen zu erreichen.
Empfänger dieser Berichterstattung ist eine Gesellschaft, die zunehmend digital/virtuell sozialisiert ist, die teilweise nie mit der Primärwirtschaft in direktem Kontakt war und deshalb mit Unterstützung durch Naturpädagogen an die Welt von der sie leben herangeführt wird.
Die Welt kann man nicht grundlegend verändern und aus den Angeln heben. Wie bewegt man sich in einem Kosmos der Aufmerksamkeit zwischen Komplexität, Fehlerkultur, Verantwortung und Einfühlungsvermögen.
Darüber spreche ich mit dem Ingenieur, Autor, Vater, Naturschützer und -pädagogen, Fotograf, Vortragenden, Ausbilder für Naturschutz, Jäger und Obmann für Öffentlichkeitsarbeit Gerd Tersluisen.


Teilnehmer

Gerd Tersluisen
Gerd Tersluisen
Jochen Schumacher
Jochen Schumacher


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9 Antworten
  1. Lars
    Lars says:

    An dieser Stelle erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Erfolgreichen Arbeit, einige Meinungen teile ich mit Herr Tersluisen. Im letzten Drittel der Episode hat er sich nach meinem Erachten nach als einer der typischen “ewig gestrigen Lodenjockel” erwiesen.
    Zum Thema Technik bei der Jagd deswegen folgendes vorweg: Ich arbeite seit Jahren als Gutachter im Bereich Arbeits- und Produktsicherheit. Außerdem bin ich Fachkraft für Arbeitssicherheit und habe mit 27 leider selbst einen Hörschaden erlitten. Es gilt grundsätzlich und ausnahmslos: Gefahren sind an der Quelle zu bekämpfen. Und zwar technisch, vor organisatorisch, vor persönlich. Beim Umgang mit Gefahrstoffen gehört eigentlich noch Substitution dazu. Wenn ich die Möglichkeit hätte einen Schalldämpfer zu bekommen, ich hätte ihn sofort. Ich habe zwar an mein Außenohr angepasste Stöpsel und MM-Gehörschützer (Aktiv) im Einsatz aber wer einmal mit einem Schalldämpfer geschossen hat merkt sofort das ist einfach noch einmal besser.
    Ähnliches kann man grundsätzlich auch zu Geradezugrepetierern und Lochschäften vorbringen. Das hat nicht alleine etwas mit Geschwindigkeit zu tun. Der GZR bietet konstruktionsbedingt einfach wesentlich weniger Möglichkeiten für verhaken, verklemmen etc., er bietet eine bessere Ergonomie und ich kann die Waffe binnen zwei Sekunden für Dritte unbrauchbar machen. Lochschäfte und Pistolengriffe sind ergonomischer und gewährleisten durch die entspannte Haltung des Schützen eine bessere Treffsicherheit. Warum sollten Militär und Sportschützen sie sonst verwenden?
    Zum Thema Nachtzielgeräte etc.: Zum Ansprechen sind Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras die beste Erfindung seit langem. Man sieht mit der WBK schon aus 1500 Metern Entfernung dass da was kommt und kann bereits vorher selektieren. Der Kauf und Verkauf der Umgang und die Verwendung sind natürlich legal. Lediglich der Umgang ist nicht erlaubt sofern eine Einrichtung zur Verwendung an der Waffe vorhanden ist. Der Kauf bleibt aber trotzdem legal, im Ausland ist der Gebrauch schließlich durchaus erlaubt. Allerdings kann jedem Waffenbesitzer geraten werden Adapter und ähnliches vielleicht doch lieber nur zu leihen.
    Bei den Drückjagden muss ich aber vollkommen zustimmen. Wer in der üblichen Jagdzeit eine ordentliche Intervalljagd betreibt und die restliche Zeit Ruhe hält, der braucht keine Drückjagden zu veranstalten. Die Raps- und Maisjagd auf die schwarzen Ackerwühler mal abgesehen….

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    • Jochen Schumacher
      Jochen Schumacher says:

      Lieber Lars, ganz herzlichen Dank für die Anerkennung meiner Arbeit Deinen qualifizierten Kommentar. Das macht einen großen Teil der Freude aus, die ich bei der Produktion des Jagdfunk empfinde.

      Die Technik-Diskussion ist alt und immer wieder spannend. Unser Möglichkeiten reichen mittlerweile vom Faustkeil bis zur theoretisch denkbaren vollautomatischen Erschießungsdrohne. Beide Extreme gehören aus guten Gründen verboten und sind es ja auch. An der Technisierungsfront wird aber immer wieder geschraubt und diskutiert und manchmal werden auch die Grenzen der Moral und des Feingefühls im Umgang mit den Tieren überschritten. Heraus kommen dann Wortschöpfungen, wie z. B. “Effizienzjagd”, die sich dann eben am effektivsten mit Erschießungsdrohnen ausüben ließe. Das will aber wohl (hoffentlich) niemand. Wenn wir Jäger die Interessen der Tiere nicht vertreten wollen, wen denn dann? Ich sagte es ja: Die Qualität der Jagd entscheidet sich hinter der Waffe.

      Ich bin der Überzeugung, dass wir den Diskurs unter uns Jägern und mit der Bevölkerung beleben und aufrecht erhalten müssen. Sowohl, was den Einsatz von Technik angeht, als auch, was den fairen und damit waidgerechten Umgang mit den Tieren angeht. Genau das tust Du mit Deinem Kommentar. Dafür noch einmal vielen Dank!

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  2. Joachim Orbach
    Joachim Orbach says:

    Hallo Herr Schumacher,
    Das Interview zum Thema “Jagd in der Öffentlichkeit” ist ein guter Hf.-Beitrag, der u.a. auch sehr lehrreich für Hegeringe sein kann. Leider informieren die Landesjagdverbände und K.-Jägerschaften über solche Beiträge nicht, was ich aber durchaus für sinnvoll erachte. Auf http://www.jgv-oberberg.de haben wir den Beitrag unter Aktuelles verlinkt. Wenn wir die Deutungshoheit nicht anderen überlassen wollen, so müssen wir uns weiter engagieren, hier leisten u.a. auch die Jagdblogs bereits beste Öffentlichkeitsarbeit.Mit der Gründung des Blog http://www.aktionsbuendnis-neue-medien.de können daher viele Beiträge -wie u.a. auch Ihre – abgerufen werden. Weiter so!!!

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  3. Benedikt
    Benedikt says:

    Erneut ein interessantes Thema für einen Jagdfunk. Neben den Schilderungen der Öffentlichkeitsarbeit fand ich besonders die Sache mit den Greifvögeln interessant. Das ist ja zusammen mit dem Thema Katzen gerade sehr aktuell. Auch die Bemerkung zum Schutzwald in der Schweiz fand ich interessant. Dazu habe ich diesen Link gefunden:http://www.nationalpark.ch/de/forschung/fachuebergreifende-forschung/huftiere/jungwaldinventur/jungwaldinventur-mehr-wissen/
    Leider habe ich den Link aus Niedersachsen zu den Hunden nicht gefunden.
    Herrn Tersluisens Ansichten zu Kommerz und seinen Wunsch den Jägern Vorschriften machen zu wollen, teile ich allerdings nicht. Ich halte es da ebenfalls mit Paul Müller und baue auf den Gesunden Menschenverstand innerhalb der Jägerschaft, den ich auch immer wieder erleben kann.

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    • Gerd Tersluisen
      Gerd Tersluisen says:

      Hallo Benedikt!

      Unter “Themen und Links” erreichen Sie die Internetseite unter “Revier Bruchtorf-Ost.”
      Bitte schauen Sie einmal dort hinein. Unter “Spuren hinterlässt, wer eigene Wege geht”, finden Sie die hervorragend gelungene Aufklärungsseite für Hundehalter.

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  4. Gerd Tersluisen
    Gerd Tersluisen says:

    Hallo Lars!
    In Sachen Nachtzielgeräten muss ich Ihnen deutlich widersprechen. Bitte schauen sie in das Blatt des Bayrischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie finden dieses Blatt unter:
    http://www.wildtierportal.bayern.de/mam/cms12/jagd/dateien/oswald_nzg.pdf
    Die dort angegebenen Verbote entsprechen dem Bundesjagdgesetz und dem Waffengesetz 2012.
    Deutlich und unmissverständlich wird hier schon der Besitz dieser verbotenen Geräte, unter Strafe gestellt.
    Im Waffengesetz wird nur vom “Umgang”mit diesen Geräten gesprochen.
    Besitz und Einsatz von Nachtsichtgeräten sind selbstverständlich erlaubt.

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